Manche Sehnsuchtsorte muss man suchen. Meiner hat mich gefunden – noch bevor ich überhaupt wusste, was Sehnsucht ist.
Meine Berge – das war meine erste große Liebe. Und seit vielen Jahren sind sie meine Wahlheimat. Hier fühl ich mich so richtig daheim, angekommen. Wenn ich gefragt werde, was für mich Sehnsuchtsort bedeutet, dann ist die Antwort für mich ganz einfach: ein Ort, der dich nicht mehr loslässt. Egal, wie oft du dort warst. Egal, wie lange du wegbleibst. Bei mir sind das die Berge im Zugspitzland. Und wie diese Liebe entstanden ist? Das ist eine Geschichte, die schon ganz früh anfängt.
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So hat alles angefangen
Als kleines Mädchen hatte ich Rheuma. Da war ich im Kindergartenalter. Aber wie alles, hatte auch das etwas Gutes: ich lag stationär in der Kinder-Rheumaklinik in Garmisch und hatte ein Zimmer mit direktem Blick auf die Alpspitze. Ich kann mich nur noch Bruchstückhaft an diese Zeit erinnern. Was sich aber in mein Gedächtnis eingebrannt hat, das war der Bergblick auf die Alpspitze und das Wettersteingebirge.
Und das hat mich bis heute nicht mehr losgelassen. Und so bin ich nach dem Abitur in die Berge gezogen: nach Garmisch-Partenkirchen.
Sattgesehen? Niemals
Manchmal fragen mich meine Gäste, ob ich mich schon sattgesehen hab‘ an den Bergen oder ob mir das auf Dauer nicht zu „eng“ wird von diesen Gesteinsriesen quasi umringt zu sein. Aber meine Antwort ist ganz klar „Nein“! Ich liebe es nach wie vor. Schon der Blick von unten ist so schön: Wenn in der Früh die ersten Sonnenstrahlen über die Bergspitzen blinzeln und das Wettersteingebirge zu leuchten beginnt, wenn sich im Herbst der Nebel verzieht und die Berge freigibt, wenn sie im Abendrot glühen oder wenn im Frühjahr im Tal alles satt grün ist und blüht und die weißen Gipfel vor dem blauen Himmel strahlen …

Wie Wandern mich verändert
Aber vor allem wenn ich beim Wandern in den Bergen bin, passiert es: die Berge verändern mich. Sie geben mir Kraft. Sicher ist es auch anstrengend, die vielen Höhenmeter hoch zu gehen, aber trotzdem fühle ich mich nach einer Bergtour regelrecht aufgeladen.
Ich kann total schlecht gelaunt, müde und energielos sein. Dann ist es zwar furchtbar, den inneren Schweinehund zu überwinden. Aber ich hab es noch nie bereut und bin quasi immer besser gelaunt und mit mehr Energie heim gekommen.
Besonders in stressigen Zeiten, in denen irgendwie alles drunter und drüber geht, kann Wandern bei mir wahre Wunder bewirken. Das Chaos im Kopf lichtet sich Schritt für Schritt. Die Gedanken werden ruhiger, die Sorgen weniger und manches Problem, das vorher tagelang im Kopf herumgeschwirrt ist, löst sich wie von Zauberhand in Luft auf.
Es fühlt sich so an, als würden mit jedem Meter, den man sich vom Tal entfernt, auch die Probleme, Sorgen und Gedanken kleiner werden.
Das Gehen hat für mich etwas meditatives, wenn ich so Schritt für Schritt für Schritt vor mich hin gehe. Ich genieße auch sehr gerne die Aussicht, Tiere und Pflanzen um mich herum. Noch dazu fotografiere ich sehr gerne (gut, dass ich oft alleine unterwegs bin – da kann ich stehen bleiben wann und so oft ich möchte, um das 10.000 Bergfoto zu machen). Aber ich finde ja, dass ein Berg jedes Mal anders aussieht. Ist dir das auch schon mal aufgefallen?
Meine liebsten Sehnsuchtsorte im Zugspitzland
Es gibt für mich unglaublich viele Kraftorte hier in den Bergen. Und als ich so darüber nachgedacht hab, was sie gemeinsam haben, bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen: Entweder ist es ein Gipfel, ein Gipfel-ähnlicher Platz oder aber er liegt am Wasser. Spannend, oder? Ich finde ja, Wasser hat schon auch etwas magisches (nicht umsonst ist das Meer für viele ein Sehnsuchtsort – auch ich bin gerne mal am Meer). Und die Kombination aus Wasser & Berg ist für mich fast nicht mehr zu toppen.
Außer – von einem Gipfel. So ein Gipfelkreuz ist schon was ganz Besonderes. Am höchsten Punkt zu stehen, es geschafft zu haben, das mächtige Kreuz vor sich. Wenn du schon mal auf einen Gipfel gewandert bist, weißt du vielleicht, wovon ich spreche!? Wenn du plötzlich in alle Richtungen schauen kannst, ohne Begrenzung, ein Meer aus Bergen siehst und es plötzlich fühlst: so unendlich klein zu sein.
Also, langer Rede, kurzer Sinn – hier sind meine liebsten Sehnsuchtsorte im Zugspitzland:
Königsstand
König Ludwig war ja dafür bekannt, „anders“ zu sein – aber eins muss man ihm lassen: er hatte ein Gespür für besondere Orte, so auch der Königsstand. Auch wenn der Königsstand kein klassischer Gipfel ist und von Farchant quasi vor dem imposanten Kramer-Massiv „verschwindet“, ist das doch ein ganz spezieller Platz. Für mich einer meiner Kraftplätze mit traumhaft schönem Blick nach Farchant, das Estergebirge und zum Wettersteingebirge.

Kuhfluchtwasserfall
Das unendliche Tosen des Wassers, der Sprühnebel und die „Gumpen“, die im Sommer für Abkühlung sorgen – einfach ein ganz wunderbarer Platz. Wie du vielleicht weißt, hasse ich kaltes Wasser, aber an richtig heißen Tagen wage sogar ich mich mal rein. Nur ganz, ganz kurz – aber das fühlt sich toll an. Danach fühle ich mich frisch und energiegeladen.

Hoher Fricken
Es gibt wahnsinnig viele tolle Gipfel hier im Zugspitzland. Jeder mit einer herrlichen Aussicht und ich mag sie alle – aber den Hohen Fricken ganz besonders. Warum? Das weiß ich gar nicht so genau. Vielleicht, weil ich dort die ersten wilden Gemsen gesehen hab, vielleicht, weil ich direkt an der Haustüre starten kann. Oder einfach, weil es ein herrlicher Platz ist: einer zum Kraft tanken und einer, der einigermaßen ruhig ist (ohne Bergbahn).

Geroldsee
Der Geroldsee liegt sowas von traumhaft schön in den blühenden Buckelwiesen, ein paar kleine Stadel drum herum und das imposante Karwendelgebirge im Hintergrund. Dieser See ist einer von vielen in der Region, aber (für mich) ein ganz besonderer. Eigentlich bin ich kein Fan von Moorseen. Ich mag zum Schwimmen lieber die klaren Bergseen, auch wenn sie etwas „frischer“ sind. Aber am Geroldsee bin ich trotzdem total gerne. Egal, ob zum Schwimmen oder nur um da zu sitzen und zu genießen. ACHTUNG: die Wiesen sind geschützt! Deshalb bitte nicht betreten – auch nicht, um bloß kurz ein Foto zu machen!

Was mich am Berg immer wieder fasziniert
Am krassesten ist es natürlich, wenn man aus verschiedenen Perspektiven auf einen Berg schaut. Die Alpspitze ist ja zum Beispiel von meinem Zuhause in Farchant ein total markanter Gipfel. Kürzlich war ich aber am Schachen, da hat die Alpspitze ganz anders ausgesehen, fast schon unscheinbar.

Besonders fasziniert bin ich immer von Begegnungen mit Tieren, speziell wenn es welche sind, die man nicht täglich sieht, wie z.B. Gemsen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich meine ersten Gemsen in freier Wildbahn am Fricken gesehen habe.
Erst kürzlich, bei der Wanderleiter-Ausbildung in Grainau, haben wir eine ganze Herde auf dem Weg zum Schellkopf gesehen. Einfach wunderschön und faszinierend, wie elegant und leichtfüßig sie sich in den Bergen bewegen. Sehr zu beneiden.

Sowohl bei der Wanderleiter-Ausbildung des Alpenvereins, als auch bei der Bergspiritualitäts-Ausbildung habe ich EXTREM viel über die Pflanzen- und Tierwelt der Alpen gelernt und es hat mich richtig „gepackt“. Das ist hoch spannend, würde hier aber jetzt zu weit gehen. Ganz sicher wird es dazu aber noch einen eigenen Artikel geben.
Menschen am Berg
Mir begegnen beim Wandern größtenteils nette Menschen und es ergeben sich manchmal fast im Vorbeigehen die tollsten Gespräche mit wildfremden Menschen. Das hab ich bisher so nur am Berg erlebt.
Bei meiner Hütten-Übernachtung am Krottenkopf letztes Jahr hab ich eine Wanderin kennengelernt, die – wie sich rausgestellt hat – auch in Farchant wohnt. Vorher hab ich sie nie wahrgenommen, obwohl man sich in Farchant mit seinen 3500 Einwohnern zwangsläufig begegnet. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und treffen uns seither regelmäßig daheim in Farchant.
Ist das nicht lustig!? Aber manchmal braucht es eben genau diesen Abstand und dann nimmt man auch die Menschen wahr, die quasi um die Ecke wohnen. Ich glaub ja, am Berg ist ein anderer Menschenschlag unterwegs. Vielleicht geht es den anderen aber auch wie mir und der Berg verändert sie. Und plötzlich sind wir ein wenig offener und nehmen unsere Umgebung anders wahr.
Übrigens: Dieser Artikel ist mein Beitrag zu meiner eigenen Blogparade „Mein Sehnsuchtsort“! Hast du auch einen Ort, der dich nicht mehr loslässt? Egal ob Berg, Meer, Wald oder dein Lieblingsplatz im Garten – ich würde wahnsinnig gern davon lesen. Mach mit und verlinke deinen Beitrag bis zum 26. Juli 2026. Alle Infos dazu findest du hier:
https://fewo-garmisch.bayern/blogparade_sehnsuchtsort/
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Wenn man deine Zeilen liest, bekommt man schon wieder Sehnsucht nach der schönen Region❣️